Work Life Integration

Ich bin überzeugt, dass jeder ein glückliches und erfolgreiches Leben führen kann.
Wie das gelingen kann? Davon erzähle ich hier:

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit humanistischer Psychologie, besonders mit Schwerpunkt auf der gestalttherapeutischen Arbeit.

Dabei ist es besonders wichtig, im Hier und Jetzt zu sein und seine Wahrnehmung für phänomenologische Aspekte zu schärfen.

Ein Beispiel: In manchen Situationen gibt es den Moment, in dem wir kurz vor der Verzweiflung, vor einem gefühlten Zusammenbruch stehen. Manche Menschen schaffen es, in diesem Moment sich mit sich selbst, ihrem Inneren zu vernetzen und darauf zu vertrauen, dass sie die Situation überstehen.

Was ist allerdings, wenn kein Kontakt mehr zu sich selbst besteht? Wenn die inneren Anteile so tief vergraben sind unter gesellschaftlichen Erwartungen, die unsere Persönlichkeit geformt haben?

Familie, Schule, Gesellschaft: Sie alle vermitteln uns ein Bild davon, wie wir zu sein haben. Aussehen, Rollenkonformitäten und deutliche Erwartungshaltungen werden von klein an auf uns Menschen geladen. Dabei verlieren wir den Kontakt zu uns selbst und hecheln dem Wunsch nach, jemand anderes zu werden. In meiner Arbeit bin ich dabei auf den Philosoph Søren Kierkegaard gestoßen, der von verschiedenen Ebenen der Verzweiflung spricht:

Im ersten Schritt besteht nur eine vage Vorstellung vom eigenen Selbst. Nach dem Verlangen, sich selbst kennenzulernen, entsteht ein „Unmögen“ dieses Selbsts.

Darauf folgt vielleicht ein Fehlschlag (beispielsweise eine wichtige Prüfung wird nicht bestanden o.ä.).

In diesem Moment wirkt es dann von Außen zunächst so, als wäre dieser Mensch verzweifelt über die Sache/Tatsache „nicht bestanden zu haben”. In Wahrheit aber ist er verzweifelt mit sich selbst und ist dann gefangen mit dem Verlust und seinem gescheiterten, nicht gemochten Selbst.

So gesehen ist es immer besser dazu zu stehen man selbst zu sein, als jemand anderes sein zu wollen.

Ich selbst habe in jüngeren Jahren die Erfahrung gemacht, wie verführerisch es sein kann, sich selbst zu inszenieren und eine Rolle anzuziehen, die scheinbar leichter zum Erfolg führt als das „wahre Selbst“. So zeigt es uns häufig auch die Berufswelt. Insbesondere in der Corporate Welt besteht ein konservativer Blick auf hierarchische Strukturen: Alter, Geschlecht, Rollenmuster spielen deutliche Rollen, wenn es darum geht, Souveränität und Kompetenz auszustrahlen.

Ich war damals begeistert von dem Konzept „Fake it until you make it“. Leider ist es absoluter Bull****.

Dadurch riskiert man, die wertvollsten Eigenschaften und Kompetenzen wie Intuition und Selbstvertrauen zu verlieren. Doch Intuition ist insbesondere im Leadership und im Management elementar. Die Möglichkeit, auf Erfahrungen und Wahrnehmungen (insbesondere emotionale) zugreifen zu können, ist für den Erfolg einer Einzelperson und eines gesamten Unternehmenssystems notwendig. Vor allem in Krisensituationen.

Zudem kostet das Fake-it-Konzept verdammt viel Energie, was zu Erschöpfung und Ausgebranntsein führen kann.

Ich vertrete die These, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen diesem Zustand und der Zunahme von Burn-out und depressiven Verstimmungen.

Was auch passieren kann: Wenn wir nicht, sind wer wir sind, uns nicht in unseren Bedürfnissen wahrnehmen können, haben wir auch keinen Zugang zu unserem optimalen „Job Match“. Somit tappen wir in unsere selbst gestellt Falle und arbeiten viel zu lange in einem Unternehmen, das uns überhaupt nicht entspricht.

Seit einigen Jahren wird das Konzept der Work Life Balance daher sehr hochgehalten.

Für mich funktioniert es aus zwei Gründen nicht:

Zum einen wird Arbeit in diesem Zusammenhang immer als etwas Negatives assoziiert: Etwas, was Dich so absorbieren kann, dass Du Dich davor schützen musst, weil es Dich sonst zu zerstören droht.

Das hat auch die Werbung erkannt. Werbeclips in denen Frauen nach der Arbeit nach Hause kommen, als Erstes ihre Kleidung wechseln, die High Heels wegkicken, joggen gehen und erst dann richtig leben!?!

Dabei kann Arbeit etwas Erfüllendes sein. Etwas, womit wir Kraft auftanken können, etwas wodurch wir in unserem Rahmen, mit unserem Skill Set und anderen Menschen, die uns berühren, gestalten können. Wir können Teil einer Sache sein, die uns am Herzen liegt.

Zum anderen fokussiert sich Work Life Balance zu sehr auf die zeitliche Komponente. Wir sollten darauf achten, nicht zu viele Stunden im Büro zu sein, um noch ausreichend Zeit für unsere Kinder, unseren Sport und unser Leben zu haben. Dies fühlt sich für mich an, wie auf Diät zu sein und Kalorien zählen zu müssen. Und wer schafft es schon, die Bilanz IMMER ausgeglichen zu halten? Also gesellt sich neben dem Gefühl des Ausgebranntseins auch noch ein Schuldgefühl als ständiger Begleiter dazu.

# Mein Wunsch ist es, ganzheitlicher zu denken. Deshalb ist mein Herzensthema Work Life Integration. Klingt ähnlich, ist aber ganz anders, und ich bin fest davon überzeugt, dass es möglich ist, dadurch zu einem erfüllten Leben zu gelangen.

# Der Kern der Work Life Integration und die Methode, die ich dazu entwickelt habe, basieren dabei auf drei wichtigen Ebenen:

  1. Selbstwahrnehmung
  2. Emotionale Intelligenz
  3. Authentizität

1. Selbstwahrnehmung

Dazu gehört, sich innerlich tief und wirklich zuzuhören. Wie oft stellst Du Dir die folgenden Fragen:

  • Was mag ich?
  • Was interessiert mich?
  • Welche Bücher lese ich (wirklich lesen, nicht nur die, die zur „Show“ im Regal stehen)
  • Was berührt mich?
  • Was sind meine Bedürfnisse?
  • Was meine Werte?

Häufig kommen wir dabei in Kontakt mit unserem inneren Kind und auch wenn unser erwachsener Anteil schon einen Weg vor sich hat und losmarschiert, braucht der Anteil des Kindes vielleicht vorher noch etwas. Hier reinzuspüren und zuzuhören, ist aus meiner Erfahrung nach essenziell, um wirklich im Kontakt mit sich selbst zu sein.

2. Emotionale Intelligenz

Die Kreuzung beziehungsweise Verbindung von Geist und Herz. Was kann ich spüren, emotional wahrnehmen bei mir selbst und bei anderem im echten Kontakt? Was resoniert davon in mir? Es hilft, die eigene Bubble zu verlassen, in Interaktion mit anderen zu gehen und die emotionale Perspektive von anderen einzunehmen. Wann hast Du das letzte Mal einen fremden Menschen, dem Du auf der Straße begegnet bist, ein paar Sekunden in die Augen geschaut? Ihn angelächelt? Viele von uns meiden Small Talk. Dabei macht uns gerade das menschlich. Kontakt steht unabhängig von den Worten, die wir sagen und gerade die unbekannte Interaktion mit einem fremden Menschen ist eine Einladung, sich im eigenen Erleben auszuprobieren und damit seine Empathie zu trainieren.

Daraus kann so vieles entstehen.

3. Authentizität

Mut haben, zu sich selbst zu stehen, ist dann die natürliche Folge der ersten beiden Schritte.

Menschen, denen wirklich egal ist, was andere von ihnen denken, sind frei und strahlen oft eine große Anziehungskraft aus. Sie genießen es, zu spielen, lassen sich begeistern und werfen sich voll ins Leben.

In diesem Sinne: Spiele und genieße Dich und die Welt!

Herzlich

Deine Julie